Rühmann hat Ei am Kopf und Tonmeister Max Kagelmann so seine Probleme

Zu den Anekdoten rund um den Film „Strich durch die Rechnung“ mit Rühmanns Sturz auf der Forster Radrennbahn und der Finger-Verletzung von Käthe von Nagy (wir berichten dazu später) gesellt sich nun eine weitere, von der der Tonmeister Max Kegelmann in der Zeitschrift „Filmwoche“ Heft 49 vom 7. Dezember 1932 berichtet.

Als wir den „Strich durch die Rechnung“ drehten, hatte ich auch einige tonliche Überraschungen. Kurbeln wir da nachts 2 Uhr zum soundso vielten Male eine intime Szene zwischen dem jungen Rennfahrer Rühmann, der sich seine ersten Lorbeeren auf der Rennbahn holen will, und einem alten sieggewohnten Profi, Speelmans, der dem jüngeren gut zuredet, er soll ihm den ersten Platz überlassen — auf deutsch: -Schiebung. Die Regie hatte es den beiden und mir überlassen, dieses Gespräch mit Tuscheln und halben Worten möglichst tonecht herauszubringen und festzuhalten. Endlich klappt es. Da gerade bei den letzten Sätzen hör‘ ich was, — Donnerwetter, was ist das, es wird immer lauter dieses Getöse. Unten werden sie auch unruhig —. Rühmann schimpft — Speelmans flucht. Ich donnere von oben. — Wissen Sie was es war, in einer Ecke sitzt hinter einem Versatzstück ein französischer Hilfsregisseur — und schnarcht zum Gotterbarmen. Also nochmal von vorn anfangen. — „Ich hoffe, daß die Tonaufnahme nun klappt“, ertönt Zeislers resignierte Stimme durchs Mikrophon. Und als Antwort kam’s von mir aus himmlischen Höhen zurück: Hoff, o du arme Seele, hoff und sei unverzagt! — Überhaupt, der „Strich durch die Rechnung“ hat mir manche Nuß zum Knacken gegeben. So ein Radrennen in Forst mit Motorrädergeknatter, Geschrei des Publikums und dann noch den Dialog herauszufischen —! — In einer Szene mußte Kampers Eier essen und dabei, noch mit vollem Mund kauend, seinem Kollegen Rühmann allerlei erzählen. Wissen Sie in der famosen realistischen Szene in der Radfahrerkneipe. Die Sache war nicht so einfach, immer wieder wurde die Szene wiederholt. Dem armen Kampers stand schon der Angstschweiß auf der Stirn. Endlich klappt‘ s. Da zum Schluß, kein Mensch kann das Kampers übelnehmen, verschluckt er sich — und patsch klebt Rühmann das Eigelb an der Nase. Die ganze Radfahrerkneipe brüllt vor Vergnügen über diese unfreiwillige Einlage. Ich habe erklärt, das müsse drin bleiben im Streifen. Aber vielleicht wird’s doch herausgeschnitten, und das Publikum bekommt es nicht zu sehen und zu hören. Das sind so einige kleine Streiflichter aus den Freuden und Leiden eines Tonmeisters. …

Wenige Tage nach dem der Artikel erschien, verstarb der Tonmeister Max Kagelmann am 12.12.1932 an einer Knochenmarksvereiterung, eine Spätfolge nach einem Flugzeugabsturz 1915.

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