Ein Gespräch mit Albert Prejean

Kurz vor der Welturaufführung vom Ufa –Tonfilm „Strich durch die Rechnung“ am 25. Oktober 1932 erschien in der in Lodz erschienenen „Freien Presse“ ein Interview mit Albert Prejean. Dabei erfährt man einiges zum Thema Versionenfilm

Am Ende äußert Albert Prejean den Wunsch, dass die Kinobesucher alle Sprachversionen sehen sollten, um z.B. auch die Leistungen der Schauspieler vergleichen zu können. Den Wunsch hat die Forschungsgruppe von „Strich durch die Rechnung“ und „Rivaux de la Piste“ auch. Aber leider fehlt von der französischen Filmfassung bis jetzt jede Spur.

 

Freie Presse aus Lodz 19.Oktober 1932

Ein Gespräch mit Albert Prejean

Von unserem Wiener Korrespondenten Dunek Schmidt

Albert Prejean in Wien! Wer kennt nicht den reizenden, lieben, netten Straßensänger aus dem Tonfilm SOIR LE TOIT DE PARIS? Einmal, es war vor etwa einem Jahre, hat schon Prejean Wien besucht. Das war anläßlich der Aufführung seines zweiten Tonfilms RAZZIA AUF LIEBE. Aber damals war der Künstler nur einen Tag hier. Und dabei hat er Wien sehr gern. O, ja!

In Wien gefällt es ihm ausgezeichnet. Prejean empfängt mich in seiner Garderobe im Sascha-Atelier. Es finden zurzeit Aufnahmen zu dem Tonfilm HOCHZEIT ZU DRITT statt. Und Albert Prejean spielt hier die französische Fassung. Die Damenhauptrolle spielt sowohl in deutscher als auch in französischer Sprache Brigitte Helm.

Der junge, springlebendige Prejean plaudert in einem herzigen Deutsch. Lachend betont er, daß er das Französische schon fast verlernt hatte. „Wie ich zum Film gekommen bin, wollen Sie wissen?“, beginnt Prejean, „ja, das weiß ich selbst nicht. Der erste Film, bei dem ich mitwirkte, war stumm. Er hieß DIE DREI MUSKETIERE. Dann wurde ich für einen Kriegsfilm, VERDUN, geholt. Auch dieser Film war noch stumm. Und nun kam der Tonfilm. Mit der Rolle des Straßensängers in SOUR LE TOIT DE PARIS war ich besonders zufrieden. Das Natürliche, Ungezwungene, Leutselige behagt mir sehr gut. Nachher filmte ich in RAZZIA AUF LIEBE mit Annabella. Dann kam der erste Tonfilm, in dem ich deutsch zu sprechen versucht habe. Das war in dem Film MADAME HAT AUSGANG mit Liane Haid. Nun aber mußte ich mich wieder meiner Muttersprache bedienen. Es entstand der Tonfilm DAS LIED DER MATROSEN. Bei den Aufnahmen zu diesem Film hatte ich eine entzückende Mittelmeerreise mitgemacht. Dann ging ich nach London. Dort wurde PARDESSUS LE MUR gedreht. Unterdessen wurde ich nach Berlin ins ‚Kabaret der Komiker‘ berufen. Und da habe ich die deutsche Sprache fleißig gelernt. Mit meiner langjährigen Partnerin Annabella drehte ich in Budapest den Tonfilm DER SOHN AUS AMERIKA. Nachher kehrte ich nach Paris zurück, wo mit mir Schallplattenaufnahmen gemacht wurden. In Berlin wurde die französische Fassung RIVALEN DER ARENA gefilmt. Und dann kam ein Film, der mir als Schauspieler die größte Genugtuung verschafft hatte. Es war DIE DREI-GROSCHEN-OPER. In der Rolle des Meckie Messer lag die Möglichkeit, schauspielerisches Talent zu beweisen. Dieser Film, der in Frankreich und in verschiedenen anderen Ländern einen ungeheuren, Erfolg hatte, zeigte, daß ich tüchtige Arbeit geleistet hatte. Ich bin den Leuten dankbar, die mich für diese Rolle holten.“

Prejean erzählt noch von einem Erlebnis, welches er in Lyon hatte. Als der Zug in die Station einfuhr, stand am Perron eine große Menge in dunkler Kleidung, feierliche Mienen aufgesetzt und es schien ihm, daß die Leute nur seinethalben gekommen waren. Freudig springt er aus dem Wagen, lächelt die Leute an und . . . bemerkt, wie alles einem anderen Wagen zuströmt. Am Fenster steht der französische Ministerpräsident Herriot……………

Zum Schluß bemerkt Prejean, daß es gut wäre, die Tonfilme in einigen Versionen dem Publikum vorzuführen, damit die breite Masse, erstens eine bessere Auffassung vom Film bekomme und zweitens, um das Spiel des einzelnen Schauspielers im Vergleich mit einem anderen in derselben Rolle besser werten zu können.

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